Judith Holofernes in Einzelteilen
BIOGRAFIE:Wo geboren: Berlin
Wann: 1976
Wie (Kopf- Steiß- Zange- Saugglocken- Kaiserschnitt): Kopf. Meine Mutter sagt, ich sah aus wie Nofretete.

MUSIKALISCHE EVOLUTION (PASSIV):
Erste Platte: The Fat Boys "Coming back hard again"
Lieblingsmusik bis zehn Jahre: Grips-Theater.
Mit zehn Jahren: Egal. Nana Mouskouri, "Best of Standarttänze", "Mel and Kim".
Mit zwölf Jahren: Die Ärzte. Soundtrack von Dirty Dancing und Eis am Stiel.
Mit vierzehn: Bob Dylan. Bob Marley. Hair-Soundtrack.
Mit siebzehn: David Bowie. Jacques Brel.
Mit neunzehn: Elvis Costello.
Mit zweiundzwanzig: Sex Pistols, Patti Smith, immer noch Elvis Costello.
Und jetzt? Interpol. Jack Johnson. Feist. Ausserdem habe ich "deus" wieder entdeckt und bin erneut in heißer Liebe entbrannt. Groß, das! Andere Wiederentdeckung: Motown. Freue mich außerdem sehr auf die neuen Platten von Tomte und Kettcar. Ach so, und immer noch Elvis Costello.
MUSIKALISCHE EVOLUTION (AKTIV):
Instrument? Gitarre, Gesang, Texte.
Andere Instrumente? Nischt. Würde gerne Klavier können, kann ich aber nicht. Setze mich immer wieder dran und denke, ich müsste es können und bin dann wieder traurig, weil es nicht klappt.
Wann hast du dein jetziges Instrument gelernt? Mit zwölf Jahren.
Und wie? Erste Akkorde von meiner Mama, im Badezimmer wegen der schönen Akustik. Dann immer wieder von irgendjemandem was abgeguckt. Zeitweise die Finger blutig geübt anhand von "Peter Burschs Gitarrenbuch" (Der geile Typ mit den langen Haaren und der Brille). Unterricht hatte ich nur sehr kurz. Das Singen gut ist, hab ich gemerkt, als ich bei meinem ersten Freund in Stockbett lag, er oben im Bett, ich unten, und ich "Eternal Flame" trällerte, und er das "irgendwie schön" fand.
Bands vor dieser? Einige hanswurstige Versuche, aber ich hab nie jemanden gefunden, der so wollte, wie ich.
Sonstige Zumhorstmachungen vor Publikum? Im Schulchor singen (One world is enough for all of us!!!). Und sonst? Lustigerweise hatte ich trotz entgegen gesetzter stimmlicher Disposition frühe und intensive Berührungen mit Blues und Soul -Musik. Der angeheiratete Vater einer engen Schulfreundin war und ist ein toller, echter, fliederfarbene Anzüge tragender Bluessänger: Sidney "Guitar Crusher" Selby. Clara und ich verloren ihn manchmal in der Wohnung und fanden ihn meistens in einen Schatten gekautert wieder, verraten durch ein leises, "Howhow." Dann hat mir Crusher manchmal einen Akkord gezeigt, wobei mich sein Südstaatenakzent regelmäßig in Ehrfurcht erstarren ließ. Später, so mit sechzehn, durfte ich dann manchmal "Uh -Uh" im Hintergrund machen, wenn Crusher aufgetreten ist. Er hat mich auch an eine Kollegin weitergereicht, die überaus einschüchternde Lokalgröße "Mary Sylvester." Bei der hab ich sogar mal zu Weihnachten im Knast gesungen, im schwarzen Kleidchen.
SOZIALVERHALTEN
Freizeitgestaltung: So zahm, dass es mir vor dem eigenen kleinen Bruder peinlich ist, wenn ich ihm Berlin zeigen soll. In meiner Freizeit gehe ich spazieren und sitze in Cafés. Punkt. Abends bin ich gerne zuhause. Muss was damit zu tun haben, dass ich auf Tour schon genug wilde Welt mitkriege.
Nahrung: Als Kind habe ich nichts gegessen, wo man nicht alle Zutaten sehen konnte, respektive keine einzige mehr. Also Spaghetti mit Ketchup und Fischstäbchen. Heute macht sich meine direkte Umgebung über mein "imaginatives" Essverhalten lustig. Ich mag wilde Kombinationen. Alles, wo Obst drin ist und Fisch und scharf und gesund. Ein unerwarteter Hang zur Dekadenz zeigt sich wohl in meiner Liebe zu Sushi.
Sportive Vorlieben (aktiv): Trampolinspringen, unkontrolliert herumhüpfen zu Musik.
Sportive Vorlieben (passiv): Bodengymnastik, oder wie das heißt mit den Bändern und so. Das gucke ich gerne, aus einem anthropologischen Interesse.
Alternativleben: Schriftstellerin. Nonne.
Bla bla bla, einsame Insel, bla bla? Ein Boot, ein Paddel, eine Leuchtrakete. Wenn das nicht geht: Ein Messer, ein dickes Schreibbuch, ein Stift.
Phobien und Ticks: Angst vor Haifischen. In der Schule hatte ich Angst vorm Vorlesen und vor Referaten. Ach so, und wenn ich mir das Gesicht wasche und mich nach vorne beugen muss, mit geschlossenen Augen, fühle ich mich wie eine Giraffe am Wasserloch und bin mir sicher, sofort von einem Löwen angefallen zu werden.
UNTERHALTUNGSPRÄFERENZEN
Ich gehe ins Kino um: zu lachen. Ich verabscheue es, mich zu erschrecken. Ach ja, und ich mag keine sentimentalen, erpresserischen Reißbrett- Indie -Arthouse Filme à la "Kleines Mädchen mit Krebs schließt tiefe Freundschaft mit einem aussterbenden Tier und findet darüber Zugang zu dem verschlossenen Herzen eines alten, einsamen, grantigen Mannes, der aber auch Krebs hat, während sich darum herum lauter total liebenswerte, skurrile Handlungsstränge um völlig kaputte Leute entspinnen, die aber irgendwie auch alle total wissen, wie man lebt."
Lieblingsfilme: Das lange Elend, Mars Attacks, Tote tragen keine Karos, Grosse Pointe Blank, Angel Baby.
Lieblingsschauspieler: John Cusack, Minnie Driver, Cate Blanchett, Tim Roth.
Lieblingsfernsehserie: Völlig um den Verstand gebracht hat mich die Serie "24". Meine Freizeit war für Wochen verloren. Die zwei Staffeln, die es von "The Office" gibt, habe ich hingegen an einem Wochenende geguckt und danach rumgeheult, weil nichts mehr übrig war.
Lieblingsbücher: Ich war als Kind noch beim Abendessen nicht von meinem Buch zu trennen, aber in den letzten Jahren lese ich sehr wenige Romane. Vielleicht hab ich gerade kein so großes Bedürfnis nach Fiktion. Kommt aber bestimmt wieder. Meine Lieblingsbücher sind vielleicht "Der Bär ging über den Berg" von William Kotzwinkle und "Wassermusik" von T.C. Boyle. Letzte wirklich Sucht erzeugende Lektüre: Harry Potter.
Die Welt muss gewarnt werden vor: dieser unfassbaren Anti-Raubkopierer-Werbung, die suggeriert, dass jeder der illegal kopiert, in den Knast kommt - und dort selbst dann in den Popo gefickt wird. Was natürlich das Schlimmste ist, was einem im Leben passieren kann. Homophober Schwachsinn.
Die Welt darf Folgendes nicht verpassen: Besagte Fernseh-Comedyserie "The Office", bisher nur über´s Internet zu bestellen aus England. Großartig lustig, liebevoll und teilweise so schrecklich, dass es einem die Zehennägel hochklappt.